Der 31. Spieltag

Eines muss der Neid Klaus Le Hözze Hoeltzenbein lassen: Er kann unter Druck verdammt cool bleiben. Die meisten von uns hätten vermutlich panisch reagiert, wenn wir als Führende der Gesamtwertung miterleben hätten müssen, wie unser schöner 4-Punkte-Vorsprung plötzlich fott ist, so wie diesmal, als Lars Richter durch seine garstige Remis-Prognose bei Doof - Doof 2 (= Nürnberg) am Freitagabend gleichzog. Hözze hingegen schwächelte nicht, er ging im Gegenteil sogar gestärkt aus diesem Spieltag hervor und baute durch seinen zweiten Gegen-den-Trend-Tipp seit der Erfindung des BHs am Sonntagnachmittag sogar seine Führung auf zwei Punkte aus. Dass dieser güldene Punkt durch ein Tor in der Nachspielzeit in Duisburg zustande kam, sagt einiges darüber aus, wie knapp Glück und Pech bei diesem Expertenspiel zusammen liegen. Wäre Bremen noch das verdiente 3:0 gegen Cottbus gelungen, lägen das Hözz von der Welt und sein härtester Konkurrent Lars Richter gleichauf; hätte Yahia in der 86. Minute das 1:1 für Bochum in Bielefeld erzielt und nicht bloß den Pfosten getroffen, wäre Lars Richter sogar mit einem Punkt in Führung gegangen.

Zugegeben, viele dieser vergangenen Zeilen dürften ziemlich verklärend sein, weil El Hözze derzeit auf Cosa Mui rumhängt und nur er selbst weiß, wie cool oder uncool er reagiert hat. Und im Grunde dürfte er sich geärgert haben - und nicht nur deshalb, weil Herthas spätes 3:1 ihn einen weiteren Punkt kostete, Lars Richter mit dessen einzigem 2er des Tages rettete. Nein, bekanntlich ist Klaus Hoeltzenbein bisher weiterhin ohne Geldgewinn in dieser Saison, und seinen ersten Tagessieg verpasste er auch diesmal mehrmals nur knapp. Wäre Schalke doch noch mit 2:1 gegen Hannover als Sieger vom Platz gegangen, hätte er sich den Pott mit den wirklichen Tagessiegern Peter Penders und Holger Klein geteilt. Und hätte Bayern in Wolfsburg gewonnen - was bei Hözzes Abreise soooooo unwahrscheinlich nicht klang, im Gegensatz zum Sonntag, als man die Mannschaftsaufstellung sah - wäre Klein und Penders je ein Punkt flöten gegangen, und der SZ-Sport-Co-Chef hätte zusammen mit Peter Körte (der einen 3er gelandet hätte und ebenfalls auf 8 Punkte gekommen wäre) gejubelt.

So aber gewann der andere FAZler, wobei es kurios ist, wie sich die Dinge oft ausgleichen: Bielefeld-Sympathisant Peter Penders hätte bei einem 1:1 gegen seine Arminia zwar den Tagessieg allein geholt (mit 10 Punkten), wäre aber unglücklich gewesen - und so durfte er sich auch über das Missgeschick des Hamburger Eigentorschützen Mathijsen freuen, der ihm den dringend benötigten achten Punkt bescherte, um mit Holger Klein gleichzuziehen. (Roland Meurer wartete vergeblich auf das 4:1 für den HSV, der ihm einen 3er und einen Teil der Tagesbeute beschert hätte.) Holger Klein wiederum dürfte mit am meisten über späte Tore klagen, denn sie kosteten ihn gleich drei Punkte: Ohne Kampers 2:0 für Bielefeld, Herthas 3:1 und Georgievs angesprochenes Siegtor für Duisburg wäre Klein glücklicher und reicher gewesen.

Andere Seltsamkeiten: Lars Langenau startete ideal ins Wochenende mit einem 0:0-3er bei Doof - Doof 2, vergaß dann aber den Samstag, ging am Sonntag leer aus - und war dennoch immer noch besser als Claudia Freytag, Christian Hümmeler und, ahem, Hans Leyendecker, der von seinem Ziel, SZ-Chef HWKilz das Tipp-Leben zur Hölle zu machen, mindestens zwei Welten entfernt ist. (HWKilz verwaltet derweil seinen Rückrunden-Vorsprung mit der erschreckenden Konstanz eines spanischen Sandplatz-wühlers.)
Peter Stützer fehlte nur ein Tor zum alleinigen Tagessieg: Wäre Karlsruhe das durchaus denkbare 2:2 in Berlin geglückt, wäre er von 6 auf 8 Punkte geschnellt.
Es gab nur 25 exakte Tipps an diesem Wochenende, davon mehr als die Hälfte (13) durch Werder - Cottbus; bloß einen 3er (s.o.), zwei Spiele mit zwei 2ern, aber DREI Spiele ohne Punktlandung: Stuttgart - Frankfurt (wo seltsamerweise NIEMAND dem VfB vier oder mehr Tore zutraute
Hans-Jürgen Deglow, neben Erwin Genten der einzige Tipper, der Schalkes 1:1-Gewürge erahnte, drückte - wenn er die Ergebnisse kannte - am Sonntag WOB die Daumen, denn schon ein 1:0 für den zweiten Werksklub der Liga hätte ihm den alleinigen Tagestriumph beschert (und Claudia Freytag einen weiteren spektakulären 3er).
Knapp am 3er vorbei rutschten auch andere: olga p mit ihrem 1:0 für Werder; Roland Meurer bei Rostock - HSV (s.o.); Andreas Morbach, dessen 1:0 für Nürnberg in Dortmund zweimal von der Latte verhindert wurde; und schließlich Thomas Geisen, der sich bei einem 1:0 der Dortmunder sogar die Tageskasse gesichert hätte.

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