Sind wir so gut, oder ist die Liga einfach nur leicht vorhersehbar?
Vielleicht beides, aber eines steht fest: In den 20 Jahren dieses Tipps hat
es souveränere Sieger und höhere Punktzahlen für den Gewinner
gegeben - aber noch nie einen dermaßen hohen Durchschnitt. Das lässt
sich erahnen, wenn man sieht, dass selbst der & die Letzte (ein seltsames
Paar: Claudia Tipp-Seppuku Freytag und Moritz 4-3-1-2 Kielbassa) auf 4 Punkte
kamen, dass 48 TipperInnen mindestens 6 Punkte und 15 mindestens 9 Zähler
vorweisen konnten. Das wiederum lässt sich dadurch erklären, dass
erstmals in acht Spielen die Haupttendenz saß, und zwar mit
Werten wie 58 (Leverkusen), 56 (Bayern), 50 (Werder), 42 (Bochum). 33 (KSC),
27 (Stuttgart) und 24 (Nürnberg) waren schon schlappe Quoten, und beim
einzigen Spiel, das nicht der Haupttendenz folgte, punktete immer noch 20 Schlauköpfe
mit Schalke. Beim HSV punkteten nicht nur 57 Tipper, sondern 25 von ihnen hatten
auch noch das 2:0 vorhergesehen - auch das ein kaum für möglich gehaltener
Rekord. (47 Teilnehmer erwarteten einen Hamburger Zu-Null-Erfolg.)
Bezeichnend für diesen Spieltag war, dass neun Teilnehmer bei drei Partien genau richtig lagen (aber kurioserweise niemand bei 4 Spielen) und 21 Tipper bei sieben (oder noch mehr) Begegnungen punkteten. René Schneider und Stefan Worring brachten dabei das Kunststück fertig, bei ALLEN NEUN SPIELEN tendenziell richtig zu liegen, aber wegen mangelhafter Genauigkeit trotzdem leer auszugehen. Stef wurden Zusatzpunkte durch Bremens Mosquera und (in der Nachspielzeit) vom Stuttgarter Cacau geklaut, René verweist vermutlich wütend auf Wolfsburgs Dejagah, Bochums Dabrowski, Hamburgs Olic und die klägliche Chancenverwertung von Cottbus und Doofmund. Jeweils ein Tor weniger oder mehr hätte bereits den Unterschied ausgemacht.
Tagessieger Christof Kneer leistete sich derweil den Luxus, als Schalke-Ignorant nur beim 96er-Spiel daneben zu liegen. Dass ihm durch das Nürnberger 2:0 gegen Doofmund der 12. Punkt des Wochenendes flöten ging, wäre nur dann dramatisch gewesen, hätte nicht Lars Langenau (der am Sonntag als einziger 4 Punkte hinzutippte) den möglichen Dreier des ewig eifrigen Erwin Genten sabotiert. Der hatte bei zehn Punkten auch über andere entscheidende Kleinigkeiten zu klagen: Ein weiteres Bremer Törchen hätte ihm ebenso zum (geteilten) Sieg gelangt wie ein bisschen mehr Bescheidenheit auf Hamburger Seite: Ein 1:0 gegen Rostock (immerhin von elf Tippern prognostiziert) hätte Christof Kneer entthront und dafür Genten & Schneider in Tagestriumphatoren verwandelt. (Die beiden waren die einzigen jener Gruppe mit mindestens 10 Punkten, die NICHT 2:0 getippt hatten!) Bei einem Bielefelder Treffer zum 3:1 in Bochum hätte es dafür plötzlich SIEBEN Sieger mit 10 Zählern gegeben: Kneer, Schneider, Genten, Oeynhausen, Hoeltzenbein, Selldorf (der bei eben jenem Spiel ganz leer ausging!) und den jetzigen 9er Uwe Schindler. Andererseits lag auch Kneerinho mehrmals nur knapp daneben: Mit seinem 3:1 beim FC Bayern (wie viele andere auch: Keiner der 10+-Tipper von der Spitze hatte auf ein 2:1 gesetzt, vier von ihnen dagegen auf ein 3:1), dem 0:1 bei Cottbus und schließlich wie angedeutet mit seinem 1:0 beim Club.
Auf den späten Ausgleich der Dortmunder in Nürnberg hofften hingegen drei andere Tipper vergeblich: Thomas Geisen (anderes Handicap: Schalke), Christian Oeynhausen (anderes Handicap: Schalke) und HWKilz, die sich beim eine 1:1 den Pott geteilt hätten. Der - sagen wir es mal vorsichtig - losgelöst wirkende SZ-Chef hatte ebenfalls mehrfach Pech: Am Freitag war er DER EINZIGE der am Ende Zweistelligen, der NICHT 2:1 für den KSC getippt hatte (andererseits: Wie kann man nur der Hertha vertrauen?); am Samstag ging ihm ein spektakulärer 3er mit Frankfurt durch die Lappen, als Amanatidis' Volleyschuss bloß lautstark an den Stuttgarter Pfosten klatschte; und zudem kam er den wahren Verhältnisse von Hannover näher als irgendein anderer Tipper. (Gell, hoeltzi?!) Immerhin kann HWKilz sich vorläufig damit trösten, dass er sich in seinem Privatduell mit H. Leyendecker einen 5-Punkte-Vorsprung erarbeitet hat.
Eine abschließende Kuriosität: Am Freitag, als 9er-Tipper wie Christian Löer (1:2) den Tipp im Grunde schon verloren hatten, gab es 15 Mal das richtige Ergebnis (2:1). Von diesen 15 Tippern hatten am Ende nur drei weniger als 8 Punkte: Christian Knop (7), Christian Zaschke (6) sowie Dirk Graalmann (5).